Nymphenburger Porzellanmarken: Hexagramm und Rautenschild
Nymphenburg drückte als Marke den Rautenschild, das bayerische Wappen, ohne Farbe in die Masse. Größe, Kontur und Rautenrichtung ergeben einen Zeitrahmen. Ein blaues Hexagramm mit Zeichen an den Spitzen deutet auf die Neudecker Frühzeit bis etwa 1760.
Auf einen Blick
- Land
- Deutschland
- Ort
- München, Bayern
- Gegründet
- 1747 Hofmann 1908, S. 52 mit Anm.; Inhaltsverzeichnis; Chaffers 1886, S. 488; Historisches Lexikon der Schweiz, Artikel „Bustelli, Franz Anton“ / 1754 Jaennicke 1879, S. 782
- Status
- in Betrieb
Marken von Nymphenburg in zeitlicher Folge
Die Marken stehen in der Reihenfolge, in der sie aufkamen; die Jahre geben einen ungefähren Rahmen. Vergleichen Sie Technik, Farbe und die genaue Form.

Blaues Hexagramm mit Zeichen
Zwei ineinandergeschobene Dreiecke bilden einen sechszackigen Stern, von Hand blau unter der Glasur gemalt. An den Spitzen stehen kleine Zeichen, die nach Chaffers 1886 von Stück zu Stück wechseln. Hofmann 1908 deutet sie als chemische Zeichen, Chaffers hält die Marke dagegen für wahrscheinlich freimaurerisch. Fast immer ist daneben ein Schild ohne Farbe eingedrückt.
- Zeitraum
- ca. 1747–1760 Hofmann 1908, S. 52, Anm., und Nr. 270; Graesse 1910, S. 174, Nymphenburg Nr. 1; Nachweise S. 270; Graesse 1919, S. 204, Nymphenburg Nr. 1; Nachweise S. 328
- Technik
- Unterglasur
- Farbe
- Blau
- Symbole
- Stern
Hofmann 1908: Neudecker Zeit, etwa 1747 bis Ende 1760; Graesse 1910 und 1919: ca. 1747–1760. Jaennicke 1879 nennt die Marke die älteste der Manufaktur. Nach Hofmann wurde sie unter Auliczek dem Älteren einige Male wieder verwendet.
Belegt in: Hofmann 1908, S. 52, Nr. 270 und Anm.; Chaffers 1886, S. 490; Jaennicke 1878, Nr. 2038, S. 74; Jaennicke 1879, S. 782

Blaue Zeichenreihe ohne Hexagramm
Die kleinen Zeichen, die sonst an den Spitzen des Hexagramms stehen, folgen hier ohne den Stern in einer Zeile aufeinander, ebenfalls blau unter der Glasur. Nach Hofmann 1908 kommt diese Form nur auf kleinen Stücken vor, etwa auf Pfeifenköpfen und Kannendeckeln.
- Zeitraum
- ca. 1747–1760 Hofmann 1908, S. 52, Anm., und Nr. 271; S. 54, Nr. 276; Graesse 1910, S. 174, Nymphenburg Nr. 2; Nachweise S. 270; Graesse 1919, S. 204, Nymphenburg Nr. 2; Nachweise S. 328
- Technik
- Unterglasur
- Farbe
- Blau
- Symbole
- sonstiges Symbol
Hofmann 1908: gleichzeitig mit der Hexagramm-Marke, also in der Neudecker Zeit; Graesse 1910 und 1919: ca. 1747–1760.
Belegt in: Hofmann 1908, S. 52, Anm., und Nr. 271; S. 54, Nr. 276–277; Graesse 1919, S. 204, Nymphenburg Nr. 2

Ganz kleiner Rautenschild mit scharfer Kontur
Als erste Schildform beschreibt Hofmann 1908 einen ganz kleinen, ohne Farbe eingedrückten Rautenschild mit scharfen Konturen, die für ihn auf einen Metallstempel deuten. Graesse 1910 bildet zwei Formen ab: Nr. 3 gerundet und kräftig umrandet, mit grobem Gitter aus etwa 3 × 3 Feldern; Nr. 4 mit eingekerbtem Umriss und etwa 4 × 4 schrägen Rauten, ähnlich dem Schild der Auliczek-Zeit.
- Zeitraum
- ca. 1756 Graesse 1910, S. 174, Nymphenburg Nr. 3–4; Nachweise S. 270; Graesse 1919, S. 204, Nymphenburg Nr. 3–4; Nachweise S. 328
- Technik
- eingepresst
- Farbe
- farblos
- Symbole
- Schild
Graesse 1910 und 1919: ca. 1756. Hofmann 1908 nennt kein Jahr, stellt die Form aber vor den größeren Stempel, den er „vielleicht von ca. 1756 ab“ ansetzt. Ob ein roh eingeritzter Schild auf frühen Stücken eine Vorstufe ist, lässt er offen.
Belegt in: Hofmann 1908, S. 52, Anm.; Chaffers 1886, S. 489; Jaennicke 1879, S. 782

Größerer Rautenschild mit stumpfen Details
Gegenüber der ersten Form ist dieser ohne Farbe eingedrückte Rautenschild etwas größer und in den Einzelheiten stumpfer; Hofmann 1908 schließt daraus auf einen Holzstempel. Ab 1761 steht der Schild nach Hofmann wohl ohne Blaumarke. Bei Graesse 1910 (Nr. 5) ist der Umriss unregelmäßig geschweift, oben und seitlich eingekerbt und unten gerundet zugespitzt; schmale, schräge Rauten füllen ihn dicht.
- Zeitraum
- ca. 1756–1765 Hofmann 1908, S. 52–53, Anm.; S. 90; Register; Graesse 1910, S. 174, Nymphenburg Nr. 5–6; Nachweise S. 270; Graesse 1919, S. 204, Nymphenburg Nr. 5–6; Nachweise S. 328
- Technik
- eingepresst
- Farbe
- farblos
- Symbole
- Schild
Graesse 1910 und 1919: ca. 1756–1765. Hofmann 1908: vielleicht ab ca. 1756, ab 1761 offenbar eine Zeit lang ohne Blaumarke. Diesen Schild tragen nach seiner Angabe die Figuren des Modellmeisters Franz Anton Bustelli (bei Hofmann „Bastelli“) aus etwa 1761–1765. Gelegentlich kommt ein auffallend großer Schild derselben Form vor.
Belegt in: Hofmann 1908, S. 52–53, Anm.; Chaffers 1886, S. 489; Jaennicke 1878, Nr. 2039–2040, S. 74; NDB (Schönberger), Bd. 3, S. 77; Historisches Lexikon der Schweiz, Artikel „Bustelli, Franz Anton“

Verkleinerter Rautenschild der Auliczek-Zeit
Unter Auliczek kam nach Hofmann 1908 ein neuer Stempel in Gebrauch: ein ohne Farbe eingedrückter Rautenschild mit denselben Umrissen wie der Schild von 1756–1765, nur etwas kleiner. Auch die Abbildung bei Graesse 1910 (Nr. 7) zeigt diesen geschweiften, oben und seitlich eingekerbten Umriss mit dichten, schmalen Rauten. Von der Vorgängerform unterscheidet ihn also die Größe, nicht die Form.
- Zeitraum
- ca. 1766–1780 Hofmann 1908, S. 53, Anm.; Graesse 1910, S. 174, Nymphenburg Nr. 7; Nachweise S. 270; Graesse 1919, S. 204, Nymphenburg Nr. 7; Nachweise S. 328
- Technik
- eingepresst
- Farbe
- farblos
- Symbole
- Schild
Hofmann 1908: etwa 1766–1780. Graesse 1910 und 1919: 1766–1780, ohne „ca.“.
Belegt in: Hofmann 1908, S. 53, Anm.

Ovale Marke mit Rauten
Hier tritt an die Stelle des Schildes ein ganz ovales Feld, ebenfalls mit Rauten gefüllt und ohne Farbe eingedrückt. Hofmann 1908 zählt diese Marke zu den freien Abwandlungen des Schildstempels, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts neben der regulären Form vorkamen, und merkt an, dass sie nur ganz vereinzelt gebraucht wurden.
- Zeitraum
- ca. 1800 Graesse 1910, S. 174, Nymphenburg Nr. 9; Nachweise S. 270; Graesse 1919, S. 204, Nymphenburg Nr. 9; Nachweise S. 328
- Technik
- eingepresst
- Farbe
- farblos
- Symbole
- Schild
Graesse 1910 und 1919: um 1800. Hofmann 1908 nennt kein Jahr, nur das Ende des 18. Jahrhunderts.
Belegt in: Hofmann 1908, S. 54, Anm.

Schild in der Art einer Tartsche
Hofmann 1908 vergleicht diesen ohne Farbe eingedrückten Schild mit einer Art Tartsche, einer historischen Schildform. Graesse 1910 bildet unter Nr. 10 einen oben breiten Schild mit gerundeten Ecken ab, der nach unten spitz zuläuft und innen schräg schraffiert ist. Dass dies Hofmanns Tartschenform ist, sagen die Quellen nicht; das ergibt erst der Vergleich mit seinem Beispielstück Nr. 395.
- Zeitraum
- ca. 1800 Graesse 1910, S. 174, Nymphenburg Nr. 10; Nachweise S. 270; Graesse 1919, S. 204, Nymphenburg Nr. 10; Nachweise S. 328
- Technik
- eingepresst
- Farbe
- farblos
- Symbole
- Schild
Graesse 1910 und 1919: um 1800. Hofmann 1908: ab der Wende zum 19. Jahrhundert, ungefähr in der Periode Melchiors und Adam Clairs (1796 bzw. 1797 bis etwa 1810).
Belegt in: Hofmann 1908, S. 53, Anm.; S. 73, Nr. 395

Rautenschild mit gegenläufigen Rauten
Im Umriss nähert sich dieser ohne Farbe eingedrückte Rautenschild nach Hofmann 1908 wieder der frühen Form. Kennzeichnend ist nach seiner Beschreibung die Lage der Rauten: Sie verlaufen nicht mehr in der heraldisch vorgesehenen Richtung, sondern im Gegensinn, von links unten nach rechts oben.
- Zeitraum
- ca. 1810–1850 Hofmann 1908, S. 53–54, Anm.; Graesse 1910, S. 174, Nymphenburg Nr. 11; Nachweise S. 270; Graesse 1919, S. 204, Nymphenburg Nr. 11; Nachweise S. 328
- Technik
- eingepresst
- Farbe
- farblos
- Symbole
- Schild
Hofmann 1908: etwa 1810–1850, ungefähr seit der spätere König Ludwig I. Einfluss auf die Fabrik gewann. Graesse 1910 und 1919: ca. 1810–1850.
Belegt in: Hofmann 1908, S. 53–54, Anm.; S. 74, Nr. 403

Schild mit Stern darüber
Über einem ohne Farbe eingedrückten Schild sitzt ein kleiner Stern; Stern und Schild gehören zu einem Stempel. Hofmann 1908 nennt den Stern fünfstrahlig, in der Abbildung bei Graesse 1910 (Nr. 13) hat er dagegen sechs Spitzen. Ein Stern mit sechs Spitzen spricht deshalb nicht gegen diese Marke; von allen älteren Schildformen unterscheidet sie sich schon durch den Stern selbst.
- Zeitraum
- ca. 1840 Hofmann 1908, S. 54, Anm.; S. 75, Nr. 406–411; Graesse 1910, S. 174, Nymphenburg Nr. 13; Nachweise S. 270; Graesse 1919, S. 204, Nymphenburg Nr. 13; Nachweise S. 328
- Technik
- eingepresst
- Farbe
- farblos
- Symbole
- Schild, Stern
Graesse 1910 und 1919: um 1840. Hofmann 1908 nennt kein Jahr, nur „gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts“; zwei Teller eines Services um 1810 mit dieser Marke hält er für spätere Nachfertigungen.
Belegt in: Hofmann 1908, S. 54, Anm.; S. 75, Nr. 406–411
So datieren Sie ein Stück anhand der Marke
Sehen Sie zuerst nach, ob neben dem eingedrückten Schild eine blaue Marke unter der Glasur steht. Ein Hexagramm mit kleinen Zeichen an den Spitzen oder dieselben Zeichen in einer Zeile gehören nach Hofmann 1908 in die Neudecker Zeit, etwa 1747 bis Ende 1760; Graesse 1910 und 1919 datieren beide Formen auf ca. 1747–1760. Ein späteres Datum ist dennoch nicht ganz ausgeschlossen: Unter Auliczek dem Älteren griff die Manufaktur nach Hofmann einige Male auf die längst aufgegebene Blaumarke zurück.
Fehlt die Blaumarke, entscheidet der Schild. Betrachten Sie ihn im Streiflicht, am besten mit einer Lupe, und achten Sie auf Größe, Schärfe der Kontur, Umriss, Richtung der Rauten und Beizeichen. Hofmann 1908 beschreibt folgende Abfolge: zuerst ein ganz kleiner, scharf konturierter Schild; dann ein etwas größerer mit stumpferen Details (vielleicht ab ca. 1756, ab 1761 wohl ohne Blaumarke); danach eine kleinere Fassung desselben Umrisses (etwa 1766–1780); ab der Wende zum 19. Jahrhundert ein Schild in der Art einer Tartsche; dann eine fünfte Form mit gegenläufigen Rauten (etwa 1810–1850); gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts schließlich ein Schild mit einem Stern darüber.
Zwei kleine Schilde liegen zeitlich deutlich auseinander: der früheste aus der Neudecker Zeit und der verkleinerte Stempel der Auliczek-Zeit. Hofmann beschreibt den frühen als ganz klein und scharf konturiert, den späteren als kleinere Fassung des Schildes von 1756–1765. Die Abbildungen bei Graesse 1910 helfen hier nur bedingt: Nr. 3 zeigt ein grobes Gitter aus wenigen, fast quadratischen Feldern und unterscheidet sich klar von Nr. 7 mit seinem geschweiften, eingekerbten Umriss und dichten, schmalen Rauten. Die zweite frühe Form, Nr. 4, hat aber ebenfalls einen eingekerbten Umriss mit schrägen Rauten und sieht Nr. 7 ähnlich; ihre Rauten sind nur etwas breiter. Einen besseren Hinweis gibt eine blaue Hexagramm-Marke auf demselben Stück: Sie spricht eher für die frühe Form. Sicher ist auch das nicht, weil die Manufaktur unter Auliczek vereinzelt auf die Blaumarke zurückgriff.
Die Jahreszahlen sind Näherungswerte. Hofmann formuliert selbst vorsichtig („etwa“, „vielleicht von ca. 1756 ab“). Graesse 1910 und 1919 geben für die hier gezeigten Nymphenburger Marken Stücke des Bayerischen Nationalmuseums als Nachweis an und verweisen auf Hofmanns Katalog; ihre Datierungen sind also keine unabhängige Bestätigung. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kamen außerdem freie Abwandlungen des Stempels vor. Für eine genauere Einordnung kommt es deshalb auch auf Form und Dekor des Stücks an.
Geschichte von Nymphenburg
Ihren Anfang nahm die Manufaktur nicht in Nymphenburg, sondern in Neudeck in der Au. Als Gründer nennen Chaffers 1886 und Jaennicke 1879 übereinstimmend den Töpfer Niedermayer; beim Jahr gehen sie auseinander. Chaffers gibt 1747 an, und auch Hofmann 1908 lässt die Neudecker Fabrik um 1747 beginnen. Jaennicke 1879 nennt dagegen 1754: Damals sei der Betrieb unter dem Schutz des Kurfürsten Max Joseph und unter der Leitung des Grafen von Hainhausen errichtet worden. Chaffers kennt das Jahr 1754 ebenfalls, allerdings als Beginn der Schirmherrschaft des Grafen, dessen Namen er Hainshausen schreibt.
Nach Chaffers holte der Graf 1756 Ringler, der den Betrieb einrichtete; danach wurde die Manufaktur unter den Schutz des Kurfürsten gestellt. Jaennicke 1879 erwähnt Ringlers Mitwirkung nur mit Vorbehalt („soll“) und nennt kein Jahr. Auch der Umzug nach Nymphenburg ist unterschiedlich datiert. Chaffers 1886 und Jaennicke 1879 nennen 1758. Hofmann 1908 legt sich auf kein Umzugsjahr fest: Bei ihm reicht die Neudecker Zeit bis Ende 1760, und die „Blütezeit in Nymphenburg“ beginnt 1761. Seiner Gliederung nach wäre die Manufaktur erst um 1761 umgezogen. Das Historische Lexikon der Schweiz datiert die Verlegung nach Schloss Nymphenburg im Artikel über Franz Anton Bustelli ausdrücklich auf 1761.
Die folgenden Jahrzehnte gliedert Hofmann 1908 in Abschnitte, die sich auch an den Marken ablesen lassen. Als Blütezeit setzt er die Jahre 1761 bis 1765 an; Figuren Bustellis aus diesen Jahren tragen Hofmann zufolge den damaligen Schildstempel. Darauf folgt die Nachblüte unter Auliczek von 1765 bis etwa 1790. Die Periode unter Melchior und Clair lässt er im Text 1796, im Inhaltsverzeichnis 1797 beginnen; sie reicht bis etwa 1810. Danach setzt die „malerische Periode“ ein, die bis etwa 1850 dauert.
Chaffers 1886 zufolge wurde nach dem Tod Carl Theodors die Frankenthaler Manufaktur aufgegeben und nach Nymphenburg übertragen. Die Nymphenburger Fabrik selbst beschreibt Jaennicke 1879 als weiterhin in Betrieb, aber in privater Hand, seit der Zuschuss gestrichen worden war. Als Königlich Bayerische Porzellan-Manufaktur Nymphenburg produziert sie bis heute.
Ähnliche Marken und Verwechslungen
Die Verwechslungen, von denen die Quellen berichten, betreffen Frankenthal. Hofmann 1908 beschreibt Frankenthaler Stücke von 1756 aus der Zeit Paul Hannongs mit einem blauen Rautenschild, teils zusammen mit eingedrückten Buchstaben PH, und merkt an, dass Hirth und andere diese Marke noch unter Nymphenburg führten. Die Nymphenburger Schilde sind dagegen in allen hier herangezogenen Quellen ohne Farbe eingedrückt; ein blauer Rautenschild ist deshalb eher ein Hinweis auf Frankenthal. Hinzu kommt ein zweiter Fall: Jaennicke 1879 berichtet, der Frankenthaler Marke aus der Zeit Carl Theodors sei später der Nymphenburger Schild mit den bayerischen Wecken beigefügt worden. Er gibt das nur als Überlieferung wieder und nennt diese Marke äußerst selten.
Kopien und Nachahmungen
Fälschungen des Rautenschilds durch fremde Betriebe beschreiben die ausgewerteten Quellen nicht. Sie nennen aber Fälle, in denen Marke und Bemalung oder Entstehungszeit nicht zusammenpassen. Nach Chaffers 1886 wurde Nymphenburger Weißware häufig in München und anderswo bemalt; deshalb steht neben dem eingedrückten Schild mitunter die farbige Marke einer anderen Fabrik. Graesse 1919 bildet unter eigener Überschrift außerdem Zeichen „wilder“ Porzellanmaler auf Nymphenburger Porzellan ab. In der Manufaktur selbst griff man unter Auliczek dem Älteren einige Male auf die alte Blaumarke zurück, und zwei Teller eines Services um 1810 hält Hofmann 1908 wegen der Form ihrer Marke für spätere Ersatzstücke, gefertigt wohl um die Mitte des 19. Jahrhunderts für zerbrochene Originale. Ob Marke, Malerei und Entstehungszeit eines Stücks zusammenpassen, beurteilt am besten eine Expertin oder ein Experte am Original.
Häufige Fragen
Was bedeutet der blaue Stern mit Zeichen auf frühem Nymphenburger Porzellan?
Gemeint ist das Hexagramm: ein sechszackiger Stern aus zwei Dreiecken, blau unter der Glasur, mit kleinen Zeichen an den Spitzen. Hofmann 1908 hält die Zeichen für chemische Symbole, Chaffers 1886 die ganze Marke für wahrscheinlich freimaurerisch. Unabhängig von der Deutung gehört sie nach Hofmann in die Neudecker Jahre bis Ende 1760; unter Auliczek dem Älteren wurde sie einige Male wieder verwendet.
Stammt jeder Rautenschild aus Nymphenburg?
Nein. Einen blauen Rautenschild, teils mit eingedrückten Buchstaben PH, ordnet Hofmann 1908 der Frankenthaler Manufaktur unter Paul Hannong zu und datiert ihn auf 1756. Die Nymphenburger Schilde sind in den ausgewerteten Quellen ohne Farbe eingedrückt. Ist die Farbe des Schildes nicht eindeutig zu erkennen, sollte eine Expertin oder ein Experte das Stück ansehen.
Warum steht neben dem Nymphenburger Schild die Marke einer anderen Fabrik?
Nach Chaffers 1886 wurde in Nymphenburg gefertigte Weißware häufig in München und anderswo bemalt. Der eingedrückte Schild steht dann für das weiße Porzellan aus Nymphenburg, die farbig gemalte Marke für eine andere Fabrik. Über die Herkunft der Malerei sagt der Schild also nichts.
Fragen zu Wert und Echtheit
Eine Marke deutet auf Hersteller und Zeitraum, sagt aber nichts Verlässliches über Wert oder Echtheit. Abgeschlossene Auktionen mit vergleichbaren Stücken geben eine erste Orientierung. Für eine fundierte Einschätzung lassen Sie das Stück von einer Expertin oder einem Experten prüfen.
Externe Links. Markidex ist mit diesen Plattformen nicht verbunden und macht keine Preisangaben.
Quellen
- Friedrich H. Hofmann: Das europäische Porzellan des Bayerischen Nationalmuseums, 1908 Quelle öffnen
- William Chaffers: Marks and Monograms on European and Oriental Pottery and Porcelain, 7. Aufl., 1886 Quelle öffnen
- Barbara E. Messerli: Bustelli, Franz Anton, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 2.12.2019 Quelle öffnen
- Friedrich Jaennicke: Grundriss der Keramik in Bezug auf das Kunstgewerbe, 1879 Quelle öffnen
- J. G. Th. Graesse, F. Jaennicke, E. Zimmermann: Guide de l’amateur de porcelaines et de faïences, 13. Aufl., 1910 Quelle öffnen
- J. G. Th. Graesse, F. Jaennicke, E. Zimmermann: Führer für Sammler von Porzellan und Fayence, Steinzeug, Steingut usw., 15. Aufl., 1919 Quelle öffnen
- Friedrich Jaennicke: Marken und Monogramme auf Fayence, Porzellan, Steinzeug und sonstigen keramischen Erzeugnissen, 1878 Quelle öffnen
- Arno Schönberger: Bustelli, Francesco Antonio, in: Neue Deutsche Biographie 3, 1957, S. 77 Quelle öffnen
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