Meissener Porzellanmarken: Schwerter, AR und Merkurstab
Zwei gekreuzte Schwerter in Unterglasurblau sind die übliche Meissener Marke. Ein Punkt, ein Stern oder eine Ziffer dazu engt das Alter ein. Für die frühen Sondermarken AR, Merkurstab und K.P.M. nennen alte Kataloge sehr unterschiedliche Jahre.
Auf einen Blick
- Land
- Deutschland
- Ort
- Meißen, Sachsen
- Gegründet
- 1710 Berling 1900, S. 12–13; Jaennicke 1879, S. 765; Chaffers 1886, S. 462
- Status
- in Betrieb
Marken von Meissen in zeitlicher Folge
Die Marken stehen in der Reihenfolge, in der sie aufkamen; die Jahre geben einen ungefähren Rahmen. Vergleichen Sie Technik, Farbe und die genaue Form.

AR-Monogramm (Augustus Rex)
A und R sind in Schreibschrift zu einem Monogramm verschlungen und blau unter die Glasur auf den Boden gemalt. Bei Chaffers 1886 laufen die unteren Enden in eingerollte Schwünge aus, und der Querstrich des A ist zu einer Schleife gezogen. In dieser Form ist das Monogramm ungekrönt.
- Zeitraum
- Die Quellen nennen unterschiedliche Zeiträume:
- 1709–1712 Chaffers 1886, S. 467
- 1725–1740 Berling 1900, S. 159; S. 156–157
- Technik
- Unterglasur
- Farbe
- Blau
- Symbole
- Monogramm
- Buchstaben
- AR
- Position
- Boden (Unterseite)
Chaffers 1886: 1709–1712; Berling 1900: 1725–1740; Jaennicke 1879: bis um 1726. Nach Berling steht die Marke auf Stücken für den eigenen Gebrauch des Königs oder für seine Geschenke, nach 1733 zumindest eine Zeit lang auch unter August III. Laut Chaffers 1886 setzte die Manufaktur das AR im 19. Jahrhundert erneut ein, und ein modernes AR findet sich auch auf Porzellan aus Zwickau.
Belegt in: Chaffers 1886, S. 467; S. 465; Berling 1900, S. 156–157, 159; Jaennicke 1879, S. 770; Graesse 1910, S. 167, Nr. 10–14

Merkurstab
Eine einzelne Schlange windet sich eng um einen senkrechten Stab, in Unterglasurblau auf dem Boden. Chaffers 1886 sieht darin eher einen Äskulapstab, als Anspielung auf Böttgers ersten Beruf; Jaennicke 1879 vermutet beim „Schlangenstab“ dasselbe. Berling 1900 hält Äskulap für unwahrscheinlich, spricht vom sogenannten Merkurstab und lässt offen, ob die zweite Schlange aus Unkenntnis fehlt.
- Zeitraum
- Die Quellen nennen unterschiedliche Zeiträume:
- 1712–1720 Chaffers 1886, S. 468
- ca. 1723 Graesse 1919, S. 195, Nr. 40–44
- 1727–1735 Berling 1900, S. 159; S. 157–158
- Technik
- Unterglasur
- Farbe
- Blau
- Symbole
- sonstiges Symbol
- Position
- Boden (Unterseite)
Chaffers 1886: 1712–1720, auf Ware für den Verkauf; Jaennicke 1879: bis um 1720 auf Handelsware; Graesse 1919: ca. 1723; Berling 1900: 1727–1735, nach ihm vermutlich auf Wunsch eines türkischen Kaufmanns verwendet. Chaffers 1886 und Jaennicke 1879 berichten, dass auch dieses Zeichen im 19. Jahrhundert wieder auf Meissener Porzellan erschien.
Belegt in: Chaffers 1886, S. 468; S. 465; Berling 1900, S. 156–159; Graesse 1919, S. 195, Nr. 40–44; Jaennicke 1878, S. 72, Nr. 1969 und 1973; Jaennicke 1879, S. 770; S. 771

K.P.M. in Schreibschrift
Die Marke besteht aus den Buchstaben K, P und M, jeweils mit Punkt, in geschwungener Schreibschrift, blau unter der Glasur auf dem Boden. Die Abkürzung steht für „Königliche Porzellan-Manufaktur“. Als Übergangsform kommen die Buchstaben auch zusammen mit gekreuzten Schwertern vor.
- Zeitraum
- Die Quellen nennen unterschiedliche Zeiträume:
- 1723–1730 Berling 1900, S. 155 und S. 159
- ab ca. 1712 Jaennicke 1879, S. 770
- Technik
- Unterglasur
- Farbe
- Blau
- Symbole
- nur Buchstaben
- Buchstaben
- K.P.M.
- Position
- Boden (Unterseite)
Berling 1900: 1723 bis höchstens 1730, eingeführt mit einer Bekanntmachung in den Leipziger Post-Zeitungen vom 7. April 1723. Jaennicke 1879: erscheint um 1712, ohne Endjahr. Graesse 1910 zeigt K.P.M. mit Schwertern auf seiner Tafel für ca. 1725 bis ca. 1730.
Belegt in: Berling 1900, S. 155–156, 159; Chaffers 1886, S. 470; Jaennicke 1879, S. 770; Graesse 1910, S. 167, Nr. 15–16; S. 170, Nr. 55

Frühe Schwertermarke
Zwei gekreuzte Schwerter, blau unter der Glasur auf dem Boden. Nach Berling 1900 sind die frühen Schwerter besonders lang und wirken plump und schwerfällig, mit geschwungenen Parierstangen und verbreiterten Knäufen. Im Beispiel bei Graesse 1910 (Nr. 50) sind die Klingen leicht gebogen und kreuzen sich tief, nahe den Griffen.
- Zeitraum
- Die Quellen nennen unterschiedliche Zeiträume:
- ca. 1725–1730 Graesse 1910, S. 170, Nr. 50–59; Graesse 1919, S. 195, Nr. 45–54
- 1716–1720 Jaennicke 1878, S. 72, Nr. 1977
- ab ca. 1716 Chaffers 1886, S. 466
- Technik
- Unterglasur
- Farbe
- Blau
- Symbole
- gekreuzte Schwerter
- Position
- Boden (Unterseite)
Chaffers 1886: eingeführt um 1716; Jaennicke 1878 beschriftet eine frühe Form mit 1716 bis 1720. Berling 1900: nicht vor 1725; Jaennicke 1879: etwa ab 1725; Graesse 1910 und 1919: ca. 1725 bis ca. 1730.
Belegt in: Graesse 1910, S. 170, Nr. 50–59; Berling 1900, S. 155–156, 159; Jaennicke 1879, S. 771; Chaffers 1886, S. 466, 468

Schwerter mit geraden Parierstangen
Gekreuzte Schwerter in Unterglasurblau auf dem Boden. Nach Berling 1900 richtete sich ihre Größe nach der des Stücks; mit der Zeit wurden sie etwas zierlicher, die Parierstangen überwiegend gerade, und etwa ab Mitte des 18. Jahrhunderts fehlten meist die verbreiterten Knäufe. Bei Graesse 1910 (Nr. 60 rechts) kreuzen sich die Klingen etwa auf halber Länge; die Tafel zeigt auch gedrungene Formen.
- Zeitraum
- ca. 1730–1763 Graesse 1910, S. 170, Nr. 60–68; Graesse 1919, S. 196, Nr. 55–57
- Technik
- Unterglasur
- Farbe
- Blau
- Symbole
- gekreuzte Schwerter
- Position
- Boden (Unterseite)
Graesse 1910 und 1919: ca. 1730–1763. Berling 1900 belegt solche Schwerter auf dem Schwanenservice (1737–1741), misst den Formunterschieden für die Datierung aber wenig Gewicht bei.
Belegt in: Graesse 1910, S. 170, Nr. 60–68; Graesse 1919, S. 196, Nr. 55–63; Berling 1900, S. 159

Schwerter mit Punkt
Zwischen den Griffen der gekreuzten Schwerter, unterhalb ihrer Kreuzung, sitzt ein Punkt; die Marke steht blau unter der Glasur. Jaennicke 1879 beschreibt die Schwerter dieser Zeit als etwas länger und eleganter und nennt statt des Punkts auch einen kleinen Kreis.
- Zeitraum
- Die Quellen nennen unterschiedliche Zeiträume:
- 1763–1774 Graesse 1910, S. 171, Nr. 69; Graesse 1919, S. 196, Nr. 64
- ca. 1756–1780 Berling 1900, S. 160, Marke Nr. 32
- ab 1770 Jaennicke 1879, S. 771, M. V. 1987 und 1988
- 1770 Chaffers 1886, S. 469, zweite Marke
- ca. 1778 Chaffers 1886, S. 469, vierte Marke
- Technik
- Unterglasur
- Farbe
- Blau
- Symbole
- gekreuzte Schwerter
- Position
- Boden (Unterseite)
Graesse 1910 und 1919: 1763–1774. Berling 1900: etwa 1756–1780, nach dem Stil der Stücke; eine Verordnung ist nicht bekannt. Jaennicke 1879: ab 1770. Chaffers 1886: 1770, die Variante mit kleinem Kreis um 1778.
Belegt in: Graesse 1910, S. 171, Nr. 69; Berling 1900, S. 160; Jaennicke 1879, S. 771; Chaffers 1886, S. 469; Jaennicke 1878, S. 73, Nr. 1987–1988

Schwerter mit Stern (Marcolini)
Zu den gekreuzten Schwertern in Unterglasurblau kommt ein kleiner Stern. Nach Chaffers 1886 steht er zwischen den Griffen; auf der Tafel bei Graesse 1910 sitzt er unterhalb davon.
- Zeitraum
- Die Quellen nennen unterschiedliche Zeiträume:
- 1774–1815 Graesse 1910, S. 171, Nr. 70; Graesse 1919, S. 196, Nr. 65
- ca. 1780–1814 Berling 1900, S. 160, Marke Nr. 33
- ab 1796 Jaennicke 1879, S. 771, M. V. 1989
- ca. 1796–1814 Chaffers 1886, S. 469, fünfte Marke; S. 463
- Technik
- Unterglasur
- Farbe
- Blau
- Symbole
- gekreuzte Schwerter, Stern
- Position
- Boden (Unterseite)
Graesse 1910 und 1919: 1774–1815. Berling 1900: um 1780 bis zum Abgang Marcolinis 1814 und vermutlich noch ein bis zwei Jahre danach. Jaennicke 1879: ab 1796. Chaffers 1886: um 1796, Marcolini-Zeit bis 1814.
Belegt in: Graesse 1910, S. 171, Nr. 70; Berling 1900, S. 160; Jaennicke 1879, S. 771; Chaffers 1886, S. 469; Jaennicke 1878, S. 73, Nr. 1989

Eingeritzte Schwerter im Dreieck
Kleine gekreuzte Schwerter in einem auf der Grundlinie stehenden Dreieck, beides ohne Farbe in die Masse eingeritzt. Berling 1900 beschreibt die Marke auf unglasiertem Porzellan (Biskuit) anstelle der blauen Schwerter; häufig ist unter den Schwertern zusätzlich ein Stern eingeritzt.
- Zeitraum
- 1774–1815 Graesse 1910, S. 171, Nr. 72; Graesse 1919, S. 196, Nr. 67
- Technik
- eingeritzt
- Farbe
- farblos
- Symbole
- gekreuzte Schwerter, sonstiges Symbol
Graesse 1910 und 1919: 1774–1815. Berling 1900 nennt keine Jahreszahlen; den zusätzlich eingeritzten Stern verbindet er mit der Marcolini-Zeit.
Belegt in: Graesse 1910, S. 171, Nr. 72; Berling 1900, S. 162

Schwerter mit Ziffer
Unter den gekreuzten Schwertern in Unterglasurblau steht eine Ziffer, bei Graesse 1910 eine römische I. Nach Berling 1900 wurden den Schwertern nach der Sternmarke römische oder arabische Zahlen beigefügt.
- Zeitraum
- 1815–1818 Graesse 1910, S. 171, Nr. 73; Graesse 1919, S. 196, Nr. 68
- Technik
- Unterglasur
- Farbe
- Blau
- Symbole
- gekreuzte Schwerter
- Buchstaben
- I
- Position
- Boden (Unterseite)
Graesse 1910 und 1919: 1815–1818. Berling 1900 nennt keine Jahre, setzt die Zahlen aber in die Zeit nach der Sternmarke.
Belegt in: Graesse 1910, S. 171, Nr. 73; Berling 1900, S. 160, Marke Nr. 34
Schwerter ohne Zusatz, ab ca. 1818
Zwei gekreuzte Schwerter in Unterglasurblau auf dem Boden, ohne Punkt, Stern oder Ziffer. Graesse 1910 zeigt schlanke Klingen, die sich in der oberen Hälfte kreuzen; kurze Parierstangen sitzen nahe den Griffen, deren Enden bei einer Variante leicht nach außen gebogen sind.
- Zeitraum
- ab ca. 1818 Graesse 1910, S. 171, Nr. 74; Graesse 1919, S. 196, Nr. 69–70
- Technik
- Unterglasur
- Farbe
- Blau
- Symbole
- gekreuzte Schwerter
- Position
- Boden (Unterseite)
Graesse 1910 und 1919: ca. 1818 bis in die Zeit ihres Erscheinens; Berling 1900 führt die Schwerter allgemein von 1725 bis in seine Zeit. Spätere Formvarianten erfassen die ausgewerteten Quellen nicht.
Belegt in: Graesse 1910, S. 171, Nr. 74; Graesse 1919, S. 196, Nr. 69–70; Berling 1900, S. 155, 159
So datieren Sie ein Stück anhand der Marke
Die gekreuzten Schwerter sind die eigentliche Fabrikmarke von Meissen, in der Regel blau unter der Glasur auf den Boden gemalt. Für ihre Einführung nennen die Quellen zwei Zeitpunkte. Chaffers 1886 setzt sie um 1716 an, und Jaennicke 1878 beschriftet eine frühe Schwerterform mit 1716 bis 1720. Berling 1900 setzt die Marke nicht vor 1725 an, Jaennicke 1879 spricht von etwa 1725; Graesse 1910 und 1919 datieren die frühen Formen auf ca. 1725 bis ca. 1730. Für 1730 vermutet Berling eine Verfügung, nach der jedes Stück die Schwerter tragen musste. Die Schwerter allein ergeben daher nur eine Untergrenze: um 1716 nach Chaffers 1886 und Jaennicke 1878, um 1725 nach Berling, Jaennicke 1879 sowie Graesse 1910 und 1919.
Zusätze bei den Schwertern engen den Rahmen ein, doch auch hier gehen die Quellen auseinander. Den Punkt zwischen den Griffen datieren Graesse 1910 und 1919 auf 1763–1774, Berling 1900 nach dem Stil der Stücke auf etwa 1756–1780; Jaennicke 1879 lässt ihn 1770 beginnen. Den Stern setzen die beiden Graesse-Ausgaben auf 1774–1815, Berling auf etwa 1780 bis kurz nach 1814; nach Jaennicke 1879 beginnt er erst 1796, nach Chaffers 1886 um 1796. Diese Unterschiede hängen mit den abweichenden Angaben zu Marcolinis Amtsantritt zusammen. Ein Stück mit Stern kann daher je nach Quelle aus den 1770er Jahren oder erst aus der Zeit ab etwa 1796 stammen. Eine Ziffer unter den Schwertern, etwa eine römische I, setzen Graesse 1910 und 1919 auf 1815–1818.
Am weitesten liegen die Angaben bei den Sondermarken der Frühzeit auseinander. Chaffers 1886 datiert das AR-Monogramm auf 1709–1712, Berling 1900 auf 1725–1740; bei Jaennicke 1879 reicht es bis um 1726. Den Merkurstab setzt Chaffers auf 1712–1720, Graesse 1919 auf ca. 1723, Berling auf 1727–1735. K.P.M. erscheint nach Jaennicke um 1712, nach Berling erst 1723 und höchstens bis 1730. Chaffers und Jaennicke setzen diese Marken damit deutlich früher an als Berling, der sie in die 1720er und 1730er Jahre legt. Da Meissen sie im 19. Jahrhundert erneut verwendete, belegt keine von ihnen für sich allein ein frühes Entstehungsjahr.
Einen weiteren Hinweis gibt ein Einschnitt in der Glasur quer über die Schwerter. Nach Berling 1900 erhielt Porzellan, das die Manufaktur unbemalt verließ, einen solchen Strich; den Beginn vermutet er um 1760, aktenkundig ist der Brauch erstmals 1766, und etwa ab 1795 wurde auch Ausschussware eingeschnitten. Nach Chaffers 1886 und Jaennicke 1879 lassen sich so Stücke, die anderswo bemalt wurden, leicht erkennen. Ein bemaltes Stück mit Strich könnte daher außerhalb der Manufaktur dekoriert worden sein. Beide Autoren erwähnen auch Schnitte bei fehlerhafter Ware, nennen aber kein Jahr; Jaennicke 1879 weist zudem darauf hin, dass solche Striche gefälscht wurden. Unglasiertes Biskuitporzellan trägt statt der blauen Schwerter oft eingeritzte Schwerter in einem Dreieck, nach Graesse 1910 und 1919 in der Zeit von 1774 bis 1815.
Geschichte von Meissen
Das erste Ergebnis war kein Porzellan, sondern ein rotes Steinzeug nach chinesischem Vorbild. Nach Berling 1900 stellte Böttger es im letzten Drittel des Jahres 1707 her. Chaffers 1886 lässt die gemeinsamen Versuche von Böttger und Tschirnhaus um 1706 beginnen. Jaennicke 1879 setzt früher an und datiert die roten, braunen und schwarzen Erzeugnisse insgesamt auf 1704 bis 1708. Weißes Porzellan glückte nach Berling und Jaennicke Anfang 1709. Berling schränkt ein: Damals entstanden höchstens einige fehlerhafte Versuchsstücke. Feines, rein weißes Porzellan gab es nach Jaennicke und Chaffers erst ab 1715.
Gegründet wurde die Manufaktur 1710. Nach Berling 1900 machte eine Druckschrift des Königs vom 23. Januar 1710 die Gründung bekannt; vom 24. Januar an bestand ein Direktorium, und am 7. März wurde beschlossen, den Betrieb in die Albrechtsburg in Meißen zu verlegen. Chaffers 1886 schreibt die Gründung August II. zu und nennt Böttger als ihren 1710 ernannten Direktor. Böttger starb am 13. März 1719. Historisch trug der Betrieb den Namen Königlich Sächsische Porzellan-Manufaktur Meissen.
Nach Jaennicke 1879 ging die Leitung 1720 an Höroldt über (bei ihm „Herold“ geschrieben). Unter Höroldt kamen laut Chaffers 1886 anspruchsvollere Malereien mit Vergoldung und Medaillons mit chinesischen Figuren auf. Von 1731 an leitete nach Chaffers der Bildhauer Kändler die Modellierung von Gruppen, Tieren und Vasen; Jaennicke nennt ihn ohne Jahreszahl als Leiter der Modellierwerkstatt. Die Blütezeit der Manufaktur setzt Jaennicke auf 1730 bis 1756 an, Chaffers auf 1731 bis 1756.
Für die Datierung ist die Amtszeit Marcolinis besonders wichtig, weil die Quellen die Sternmarke mit ihm verbinden. Für ihren Beginn gibt es zwei Jahre: Berling 1900 lässt Marcolinis Leitung 1774 beginnen, Chaffers 1886 und Jaennicke 1879 nennen 1796 als Jahr seiner Ernennung zum Direktor. Beim Ende stimmen Berling und Chaffers überein: 1814. Berling nennt als Tag seines Abgangs den 1. Januar 1814.
Ähnliche Marken und Verwechslungen
Gekreuzte Schwerter und ähnliche Zeichen kommen nicht nur auf Meissener Porzellan vor. Nach Berling 1900 beklagte sich Marcolini über Kloster Veilsdorf, wo 1782 viele Stücke mit Schwertern bezeichnet worden sein sollen. Andere Fabriken lehnten sich nach Berling nur an das Bild an: Rudolstadt mit zwei gekreuzten zweizinkigen Gabeln, Wallendorf mit gekreuzten Balken, die unten kleine Querstriche trugen und ein W darstellen sollten, Limbach und Ilmenau mit gekreuzten Buchstaben L beziehungsweise I. Prüfen Sie deshalb, ob die Enden wirklich Griffe mit Parierstangen sind. Verwechseln lässt sich auch K.P.M., denn die Berliner Manufaktur führte dieselben Buchstaben. Nach Jaennicke 1879 steht die Berliner Marke stets in Antiqua, also in aufrechten Druckbuchstaben; Graesse 1910 zeigt die Meissener Fassung in Schreibschrift.
Kopien und Nachahmungen
Nicht jede späte Wiederholung einer frühen Marke stammt von fremder Hand. Nach Chaffers 1886 und Jaennicke 1879 griff die Manufaktur im 19. Jahrhundert auf ihre früheren Marken zurück, darunter das AR-Monogramm, den Merkurstab und ältere Schwerterformen. Ein modernes AR steht laut Chaffers 1886 außerdem auf Porzellan aus Zwickau. Eine frühe Marke spricht daher nicht von selbst für eine frühe Entstehung, und auch die Einschnitte durch die Schwerter wurden nach Jaennicke 1879 gefälscht. Erst Masse, Form, Bemalung und Vergoldung zusammen zeigen, ob ein Stück aus der Zeit seiner Marke stammt. Dafür braucht es den geschulten Blick einer Expertin oder eines Experten für Meissener Porzellan.
Häufige Fragen
Was steckt hinter einem Strich quer durch die Schwerter?
Meist ein Einschnitt in die Glasur. Nach Berling 1900 kennzeichnete er Porzellan, das die Manufaktur unbemalt verließ; den Beginn vermutet Berling um 1760, aktenkundig ist der Brauch erstmals 1766. Ab etwa 1795 wurde auch Ausschussware so markiert. Ist ein solches Stück bemalt, wurde die Malerei möglicherweise außerhalb der Manufaktur aufgetragen.
Können gekreuzte Schwerter auch von einer anderen Fabrik stammen?
Ja. Nach Berling 1900 sollen auch in Kloster Veilsdorf Stücke mit Schwertern bezeichnet worden sein, und Thüringer Fabriken wie Rudolstadt, Wallendorf, Limbach und Ilmenau führten ähnlich gekreuzte Zeichen. Achten Sie auf Griffe und Parierstangen.
Warum nennen die Quellen für dieselbe Marke so verschiedene Jahre?
Die Autoren stützen sich auf unterschiedliches Material. Berling 1900 zieht zum Teil zeitgenössische Schriftstücke heran, etwa die Zeitungsbekanntmachung zur K.P.M.-Marke von 1723; den Punkt datiert er dagegen nach dem Stil der Stücke und rechnet dabei ausdrücklich mit Ausnahmen. Beim Stern hängt viel davon ab, ob man Marcolinis Amtsbeginn auf 1774 (Berling) oder auf 1796 (Chaffers 1886, Jaennicke 1879) ansetzt; Berling selbst lässt den Stern erst um 1780 beginnen. Lesen Sie die Jahreszahlen einer einzelnen Quelle deshalb als Anhaltspunkt, nicht als feste Grenze.
Fragen zu Wert und Echtheit
Eine Marke deutet auf Hersteller und Zeitraum, sagt aber nichts Verlässliches über Wert oder Echtheit. Abgeschlossene Auktionen mit vergleichbaren Stücken geben eine erste Orientierung. Für eine fundierte Einschätzung lassen Sie das Stück von einer Expertin oder einem Experten prüfen.
Externe Links. Markidex ist mit diesen Plattformen nicht verbunden und macht keine Preisangaben.
Quellen
- Karl Berling: Das Meissner Porzellan und seine Geschichte, 1900 Quelle öffnen
- Friedrich Jaennicke: Grundriss der Keramik in Bezug auf das Kunstgewerbe, 1879 Quelle öffnen
- William Chaffers: Marks and Monograms on European and Oriental Pottery and Porcelain, 7. Aufl., 1886 Quelle öffnen
- J. G. Th. Graesse, F. Jaennicke, E. Zimmermann: Guide de l’amateur de porcelaines et de faïences, 13. Aufl., 1910 Quelle öffnen
- J. G. Th. Graesse, F. Jaennicke, E. Zimmermann: Führer für Sammler von Porzellan und Fayence, Steinzeug, Steingut usw., 15. Aufl., 1919 Quelle öffnen
- Friedrich Jaennicke: Marken und Monogramme auf Fayence, Porzellan, Steinzeug und sonstigen keramischen Erzeugnissen, 1878 Quelle öffnen
Die Fakten auf dieser Seite stammen aus den genannten Quellen; wo sie voneinander abweichen, nennen wir alle Angaben. Texte und Markenbeschreibungen sind eigene Formulierungen.